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May 18th 2002, 23h
FARBEN (aka JAN JELINEK Klang, Germany)


FARBEN "Textstar"
(V.….: 05.04.2002)

Jan Jelineks bahnbrechendes Debüt Album als FARBEN. Ein "Microhouse" Werk, das an Soul, Tiefe und Emotion Jelineks Position als einen der innovativsten zeitgenössischen Produzenten verdeutlicht.
Jan Jelineks Produktionen unter dem Namen Farben beeindrucken immer wieder auf besondere Weise. Zwar ist minimaler, dublastiger Techno schon fast 10 Jahre alt und Farbens Musik ist weit davon entfernt, ein Musterbeispiel ihres Genres zu sein, dennoch besteht eine Verbindung zu dem ekstatischen, horizontalen House von Basic Channel und Chain Reaction. Mittlerweile hat die "Clicks- und Cuts-Bewegung" die ganze Bandbreite von Glitsch-, Tick- und Pop-Tönen, welche auch Farbens Musikstrukturen ausmachen, popularisiert. Doch Textstar bietet etwas, das ihr noch nicht gehört habt.
Auffällig ist die Gelassenheit, die Sanftheit sowie die Fülle des Sounds, der abseits des kantigen, pixel-anfälligen Minimalismus seiner Zeitgenossen steht und wesentlich sinnlicher ist als eingängiger Vocal-House. Bei Farben Tracks, blühen Jazzsamples "farbenprächtig" auf, flankiert von den tiefen, rauen Rhythmen, in die sie eingepflanzt wurden. Textstar stellt Tracks von vier der sechs Farben-EP`s zusammen: "Live at the Sahara Tahoe", "Raw Macro", "Beautone" und "Don`t Fight Phrases". Erstmalig ist Farbens Musik auf CD erhältlich. Indem diese Sounds neuen Ohren zugänglich gemacht werden, festigt Textstar Jelineks Position als einen der innovativsten, facettenreichsten und ausdruckstärksten Produzenten der heutigen Zeit.
Stell die Verbindung her: Jan Jelineks Projekt Farben funktioniert - mehr noch als seine Veröffentlichungen als Gramm oder das letztjährige Album "Loop-Finding Jazz-Records" - als funky klickende Referenzmaschine, die mühelos den Bogen von 70s-Disco und Soul-Sound zu minimalistischem Klick-Techno schlägt. Während der historische Kontext bei "Loop-Finding Jazz-Records" mehr konzeptioneller Natur war, lassen sich die Spuren von dem, was vielleicht mal Marvin Gaye, Isaac Hayes und Donna Summer auf der Festplatte war, bis in die Sekunden-Loops verfolgen.
"Textstar" fasst auf neun Tracks von vier der sechs bisherigen Farben-EPs (darunter die aktuelle "Don't Fight Phrases"-EP) zusammen und schafft es, bis zur Unkenntlichkeit zerbröselte Mikro-Sounds zu warmer, vor elektrischer Spannung knisternder Dichte zusammenzusetzen. Wenn dabei hinter vielschichtig flirrenden Knackser-Beats dunkel schimmernde Funken von Bläsern, Piano-Samples oder Disco-Synths auftauchen, weiss man, wie Jelinek als erklŠrter Marvin Gaye Fan den Moment der "Epiphanie" des perfekten Soul- oder, wie in diesem Fall, House-Tracks definiert. Soul-Power vs. digitale Zersplitterung. Oder einfach magische, deepe Tracks, die in allen Tönungen schimmern. von Christoph Büscher

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