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Baby Ford |
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Das
nächste Kontinuum |
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Die
"Oochie Koochie"-Zeiten liegen in grauer Vorzeit. Allzu oft wird
Peter Ford darauf auch nicht mehr angesprochen. Zu wichtig sind in den
letzten Jahren die Platten gewesen, die er allein oder zusammen mit Mark
Broom und Ian Loveday auf I-Fach und Trelik veröffentlicht hat. Ein
Veteran wie er verdient umso mehr Respekt, weil er gerade mit seinem Label
Pal SL und weiterhin unter seinem bevorzugten Namen Baby Ford begonnen hat,
die elektronisch-minimale Variante der Housemusik neu zu definieren. Und dann
gibt es da ja noch die jetzt schon sagenumwobene Zusammenarbeit mit dem
Berliner Elektro Music Department. Seit dreizehn Jahren wohnt Peter Ford im
selben Haus in West-London. Dort ist sein Studio installiert und von dort aus
betreibt er auch seine drei Labels I-Fach, Trelik und Pal SL. Allein darin
drückt sich eine bestimmte Kontinuität aus, die sich auch im steten
Rhythmus fortsetzt, in dem er in den letzten drei, vier Jahren Platten
veröffentlicht hat. Kontinuität wird oft mit Abgeklärtheit und
Routine verwechselt, bei Peter Ford hat man es allerdings nicht mit jemandem
zu tun, dessen Platten bloße Nachrichten aus der laufenden Produktion
sind. Viel eher ist es so, daß er sich fast unmerklich zu einem der heute
relevantesten Produzenten an der House-Techno-Schnittstelle entwickelt hat,
ohne durch ein alljährliches Album und dazugehörige
Promotionmaschine auf sich aufmerksam machen zu müssen. Das hat er mehr
oder weniger schon hinter sich. Schließlich veröffentlichte er
nach seinen allseits bekannten "Ford Trax" inklusive den heute als
Acid House-Klassiker geltenden "Oochy Koochy" und "Chikki
Chikki Ahh Ahh" von 1988 im Laufe der ersten Jahre dieses Jahrzehnts
vier Langspielplatten und hielt sich auch mit 12''s nicht zurück:
"In jener Zeit hatte ich diese Idee von Anonymität der
Produktionen, ich glaube, ich habe soviel produziert, um selbst darin
unterzugehen. Irgendwann wurde mir aber bewußt, daß ich zu so
einer Art Monster geworden bin, das ständig nur herausschleudert, sich
selbst reproduziert." Ford zog sich daraufhin aus dem Studio heraus und
fand über verstärktes DJing zu einer Vorstellung, was er eigentlich
wollte, wie er sich musikalisch besser ausdrücken und als Produzent
besser plazieren könnte. Durch die stärkere Verwicklung in das, was
in den Clubs wirklich vorging, und in die dort wirksamen ökonomischen
Spielregeln und sozialen (Nicht-)Zusammenhänge, intensivierten sich
Fords Beziehungen zu alten Weggefährten; zu Produzenten also, die
ähnlich lange dabei sind wie er, bei denen aber auch über die
Anfangseuphorie hinweg das Interesse, immer bessere Platten machen zu wollen,
bestehen geblieben ist. Mit Mark Broom gründete er 1994 I-Fach (der Name
bezeichnet übrigens einen Berg in Spanien). "Wir kannten uns vorher
schon eine Weile, haben oft zusammen aufgelegt. Es gibt bei uns so einen
einfachen Weg zu produzieren, wir müssen nicht viele Worte machen. Die
ersten I-Fach-Sachen entstanden so auch sehr spontan und ohne großen
Plan. Sie legten eigentlich das Programm des Labels fest, auf dem es heute
noch aufbaut." Das Moment der Kontinuität spielt auch bei Trelik
eine große Rolle, denn dieses Label basiert hauptsächlich auf der
Zusammenarbeit mit Ian Loveday, aus der Acid House-Frühzeit noch als Eon
bekannt. "Ian kenne ich auch seit '88, wir haben ja schon zu Vinyl
Solution-Zeiten zusammen produziert. Wir hatten dabei immer eine recht genaue
Idee von House, von elektronischem House mit deutlichen aber komischen
Melodien, mit Tiefe und dem Einsatz von Stimmen. Und das haben wir als
Minimal Man auf Trelik fortgesetzt." Haben I-Fach und Trelik inzwischen
einen ordentlichen, bei letzterem schon als Compilation dokumentierten
Katalogumfang erreicht und Peter Ford über die Jahre im Gespräch
gehalten - nicht zuletzt durch sein 97er-Album "Headphoneasy Rider"
(Black Market) - begann eine neuartige Fokussierung mit Fords neuem Outlet
Pal SL. Ford selbst beschreibt dieses als "klassisches
Künstlerlabel"; es soll keinen bestimmten Programm gehorchen,
sondern zur Repräsentation individueller Ideen dienen. Das eben schon
gefallene Stichwort "elektronische Housemusik" wird bei den
bisherigen Pal SL-Platten noch wichtiger. Ohne jegliche Signalwirkung,
dafür mit unermeßlicher Tiefe kombiniert Ford hier die Tracks aus
freischwebenden Hypnobasslinien, die sich von winzigen Sound- und
Voice-Elementen nicht irritieren lassen. Nicht von ungefähr fand Ford
beim Offenbacher Perlon-Label Geistesverwandte. Die auf Pal SL erschienene
12'' von Dimbiman ist erst der Anfang einer längerfristig geplanten
Zusammenarbeit. Mit Perlon verbindet ihn neben der speziellen Houseform noch
die von ihm stets gepflegte Vorliebe für die menschliche Stimme. Peter
Fords Musik ist ohne den Einsatz sprachlicher Mini-Fragmente nicht denkbar:
"Man kann es ja ganz grundsätzlich sagen, das erste, was man von
der Welt wahrnimmt, ist die menschliche Stimme, mit ihr werden Beziehungen zu
bestimmten Personen hergestellt, bevor man sie sehen oder anfassen kann.
Für mich war es immer selbstverständlich, Stimme einzusetzen, weil
die Musik Ausdruck meiner Gefühle ist und für mich die Stimme
einfach dazugehört. Sie ist Teil des Ganzen. Dabei geht es nicht um
bestimmte Inhalte, sondern eher um den Gesamtzusammenhang." Die
Bedeutung dieser Aussage wird noch verstärkt, weil Fords Produktionsmethode
auf der Reduktion auf essentielle Beatpattern und Klangelemente beruht:
"Je minimaler etwas am Ende klingt, desto adäquater kommt es mir
vor." Dieser Ansatz dürfte den Kontakt zu den Berliner Produzenten
Kotai + Mo und dem dazugehörigen Umfeld des Elektro Music Departments
erleichtert haben. "Mo fand die I-fach-Platten immer sehr gut und lud
mich irgendwann ein, im Panasonic in Berlin zu spielen. Da waren, glaube ich,
die ersten beiden EMD-Maxis draußen. Daraus entwickelte sich eine ziemlich
enge Freundschaft und ich war fast ein halbes Jahr in Berlin. Klaus Kotai und
ich begannen dann, gemeinsam im Studio zu arbeiten, er war einige Zeit in
London und jetzt machen wir gemeinsam mit Joachim Bader das Projekt Birds.
Das funktioniert als eine Art Band mit Liveauftritten und so." Im
Frühjahr soll das erste Birds-Album auf Pal SL erscheinen. Auf den
ersten Blick erscheint es etwas seltsam, wie sich so unterschiedlich
verlaufene Geschichten wie die von Peter Ford und die von EMD kreuzen
können. Aber anscheinend hat Techno insgesamt eine Phase erreicht, in
der niemand mehr authentisch alles miterlebt haben muß, um eine
gemeinsame Kommunikationsebene zu erreichen. Peter Ford sagt es so: "Was
uns verbindet, ist, daß ich ihre kontinuierliche Arbeit während
der letzten Jahre sehr schätze und sie meine."
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